Story Telling #2 "Lebenstüren"
- Lukas Friedrich

- 28. Mai
- 2 Min. Lesezeit

Es war einmal in einem weit entfernten König:innenreich ein Palast mit einer besonderen Türe im Westflügel, die stets verschlossen war.
Schlicht, aber massiv, aus dunklem Holz, ohne Verzierungen.
Jeder Bedienstete kannte sie.
Und jeder wusste: Wer den Schlüssel dafür erhielt, durfte sie öffnen.
Eines Tages übergab die Königin ihrem treuen Bediensteten diesen Schlüssel.
„Für den Moment, in dem du bereit bist“, sagte die Königin.
Der Bedienstete nahm den Schlüssel ehrfürchtig an.
Von da an ging er jeden Tag an der Tür vorbei.
Er blieb stehen, legte die Hand auf das Holz, spürte den Schlüssel in seiner Tasche.
Doch jedes Mal dachte er:
„Noch nicht. Ich bin noch nicht bereit.“
Also ging er weiter.
Jahre vergingen.
Er wurde erfahrener, klüger, vorsichtiger.
Und jedes Mal, wenn er vor der Tür stand, war sein Gedanke derselbe:
„Noch nicht.“
So verging sein Leben.
Und immer wieder stellte er sich dieselbe Frage:
Was wohl hinter dieser Tür sei?
Die Frage verließ ihn nie.
Bis zu seinem letzten Tag nicht.
Als er alt und schwach war und die Tür nicht mehr öffnen konnte, gab er der Königin den Schlüssel zurück – unbenutzt.
Kurz darauf trat eine neue Bedienstete ihren Dienst an.
Auch sie erhielt den Schlüssel.
Am selben Abend ging sie durch den Westflügel, entdeckte die Tür, nahm den Schlüssel – und öffnete sie.
Ein heller Raum.
Eine Sitzecke.
Grosse verzierte farbige und vom Sonnenlicht durchflutete Glasfenster. Und der schönste Blick überhaupt auf den weitläufigen Palastgarten.
Am nächsten Tag fragte sie die Königin:
„Ein Schlüssel zum bezauberndsten Ort im ganzen Schloss – warum hat mein Vorgänger die Tür nie geöffnet?“
Die Königin antwortete ruhig:
„Er wartete sein Leben lang darauf, bereit zu sein –
und hat nie gesehen, dass er es längst war.“ 🤷♂️
Erlaube mir Dir ein paar Gedanken als Anregung mitzugeben 💡:
- Welche „Tür(en)“ gibt es aktuell in deinem Leben?
- Stehst du auch immer wieder davor – und gehst weiter?
- Woran merkst du, dass du glaubst „noch nicht bereit“ zu sein?
- Was genau fehlt dir vermeintlich noch?
- Welche Bedingungen musst du erfüllen, bevor du „darfst“?
- Wer oder was setzt Dir diesen Massstab?
- Was ist das Schlimmste, das passieren könnte? – wirklich?
- Mal angenommen, Du gibst den Schlüssel weiter - was würde die „neue Bedienstete“ in dir tun?
Vielleicht bist Du längst bereit... 🔑




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