Führung - Anspruch vs. Realität
❓Noch nie wussten wir so viel über gute Führung wie heute. Warum erleben wir im Alltag trotzdem so wenig davon?
Vor bald zehn Jahren durfte ich im Rahmen meines Executive MBA an der Universität St. Gallen einem Gastreferat von Prof. Dr. Nieschmidt beiwohnen.
Seine Sicht auf Führung war überraschend anders. Zutiefst menschenorientiert. Anders als vieles, was ich bis dahin in Vorlesungen gehört oder im Berufsalltag erlebt hatte. Das hat mich fasziniert und berührt.
Vor einigen Tagen bin ich zufällig wieder auf diesen Beitrag im Internet gestossen. Und er hat mich genauso angesprochen wie damals. Ein Zeitdokument ohne Verfallsdatum.
Was hat sich in diesen zehn Jahren eigentlich verändert?
🌀 Die Führungswelt hat sich zumindest auf dem Papier enorm weiterentwickelt.
Zu den Führungskonzepten von damals, Autoritär, Demokratisch, Laissez-faire, Patriarchalisch, Bürokratisch oder Transaktional sind neuere Konzepten hinzugekommen: Agile Leadership, New Leadership, Servant Leadership, Shared Leadership, Positive Leadership, Mindful Leadership, Transformational Leadership ...
Unzählige Konzepte, Führungstrainings, Zertifikate, CAS-, DAS- und Masterprogramme.
Selbstreflexion, Empathie, Vertrauen, psychologische Sicherheit und Beziehungskompetenz sind längst zu zentralen Begriffen moderner Führung geworden.
Doch welchen Stellenwert haben diese Fähigkeiten tatsächlich, wenn wir Führungspositionen besetzen?
Die andere Realität
In meiner beruflichen Tätigkeit und in meiner Coachingpraxis begegne ich immer wieder einer anderen Realität.
Nach wie vor zählen Fachkompetenz, Abschlüsse, bisherige Führungserfahrung, die Anzahl unterstellter Mitarbeitender oder persönliche Beziehungen zu den ausschlaggebenden Auswahlkriterien.
Alles durchaus relevante Aspekte. Aber reichen sie aus, um Menschen die Verantwortung für andere Menschen anzuvertrauen? Um diese weiterzuentwickeln, als «Königsaufgabe», wie sie Prof. Dr. Nieschmidt nennt?
🚫 Meine Hypothese: Wir haben unser Wissen über gute Führung weiterentwickelt, aber unsere Vorstellung davon, wer für Führung geeignet ist, vielerorts kaum verändert.
Menschliche Führung als ANspruch
🔑 Es braucht mehr Mut, Führungseignung neu zu denken. Nicht weniger Fachkompetenz, sondern mehr Gewicht für Persönlichkeit, Selbstreflexion, Haltung und die Fähigkeit, tragfähige Beziehungen zu gestalten.
Gerade mit Blick auf die Erwartungen kommender Generationen Z und Alpha.
Denn Führung hat viel mit unserer Persönlichkeit, unseren Überzeugungen und der Art zu tun, wie wir anderen Menschen begegnen.
💚 Ich bin überzeugt: Wer neugierig und bereit ist, sich selbst besser kennenzulernen und persönlich weiterzuentwickeln, schafft eine wichtige Grundlage, um andere bewusster, menschlicher und wirksamer zu führen – und ihnen Räume für ihre eigene Entwicklung zu eröffnen.
🎬 Das vollständige Video (65 Minuten) von Prof. Dr. Nieschmidt finden Neugierige unter:


Während vielen Jahren, führte ich den Pflegebereich einer Alterseinrichtung. Ich musste mich immer wieder mit mir als Person, meinem Verständnis von Führung und meiner Führungsrolle auseinandersetzen und mein Handeln hinterfragen und Anpassungen vornehmen.
So kann ich die obigen Aussagen, versehen mit dem grünen Herzen, nur unterstützen.